Was ist jüdische Musik? – Konzertabend im KuBuS Jena begeistert Publikum

Was ist eigentlich „jüdische Musik“? Dieser vermeintlich einfachen, aber ungleich vielschichtigeren Frage widmete sich am Dienstagabend, 21. Januar 2026, eine besondere Veranstaltung im KuBuS in Jena. Rund 50 Gäste waren der Einladung zu Vortrag und Konzert des international renommierten Gitarristen Lucian Plessner gefolgt – und erlebten einen ebenso erkenntnisreichen wie musikalisch beeindruckenden Abend.

Die Begrüßung übernahm Olga Fäth von der Begegnungsgruppe Judentum, die gemeinsam mit dem KuBuS Gastgeberin der Veranstaltung war. Zugleich handelte es sich um das diesjährige Neujahrskonzert der Begegnungsgruppe, gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. Der Eintritt war frei.

In einem etwa 35-minütigen einleitenden Vortrag näherte sich Lucian Plessner der zentralen Frage des Abends mit großer historischer und kultureller Tiefe. Anhand von Beispielen aus über 1000 Jahren Musikgeschichte zeigte er, dass jüdische Musik kein einheitlicher Stil ist, sondern sich aus unterschiedlichsten Einflüssen speist – geprägt von Diaspora, religiöser Tradition und kulturellem Austausch. Sephardische und aschkenasische Musiktraditionen wurden ebenso beleuchtet wie der Beitrag jüdischer Komponisten zur europäischen Hochkultur.

Im anschließenden Konzert setzte Plessner diese Gedanken musikalisch um. Mit großer Virtuosität und erzählerischer Kraft interpretierte er Werke jüdischer Komponisten verschiedener Epochen. Sein Gitarrenspiel überzeugte durch technische Präzision, feine Klangnuancen und spürbare emotionale Tiefe. Das Publikum folgte aufmerksam und konzentriert – und dankte es dem Künstler am Ende mit lang anhaltendem Applaus.

Lucian Plessner, der nach seinem Studium mehrere Jahre in Spanien lebte und international konzertiert, gilt als Brückenbauer zwischen musikalischen Welten. Stationen seiner Karriere reichen von Zusammenarbeit mit Leonard Bernstein bis zu Auftritten in Istanbul, Mexiko-Stadt, San Francisco und Los Angeles. Diese internationale Erfahrung war auch in Jena spürbar.

Der Abend im KuBuS zeigte eindrucksvoll, wie Musik Verständigung schaffen kann – über kulturelle, religiöse und historische Grenzen hinweg. Viele Gäste äußerten sich im Anschluss begeistert und dankbar für eine Veranstaltung, die gleichermaßen informierte, bewegte und inspirierte.